Letizia Battaglia

«Mein Land, von der Mafia befreit: Das ist mein Traum, das ist mein Kampf.»

Mezzocielo (Halber Himmel)

 

Letizia Battaglia, Sizilianerin, geboren 1935, ist Fotografin. Mit ihrer Kamera fängt sie sizilianisches Leben ein: die grausame Gewalt der Cosa Nostra und den tiefen Schmerz der Mafia-Opfer. Mit ihren Fotos bricht sie die "omertà", das Schweigen um die Cosa Nostra. Obwohl sie Todesdrohungen erhalten hat, macht sie weiter Fotos. Von 1991 bis 2001 versuchte sie als Leiterin der Umweltabteilung die Lebensbedingungen für die Einwohner/-innen Palermos zu verbessern. Mit Frauen der Anti-Mafia-Organisation Mezzocielo kämpft sie gegen Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit.

 

Letizia Battaglia (70) besitzt keine eigene Kamera mehr. Ein/-e Freund/-in hat ihr eine geliehen. Diebe waren in ihr Haus im historischen Teil von Palermo eingebrochen, zum dritten Mal. Sie nahmen alles mit, was sie tragen konnten: ihre Fotografie-Ausrüstung, ihren tragbaren Computer und viele Erinnerungen. Wer waren diese Kriminellen? Mafiosi? Letizia Battaglia zuckt mit den Schultern. "Ich lebe noch", sagt sie. Die Mafia hatte damit gedroht, die Fotografin umzubringen. Sie möchte nicht darüber reden - "besser nicht". Sie fotografiert weiter.
Letizia Battaglia macht seit 1975 Verbrechen der Mafia mit ihrer Kamera öffentlich. Sie erzählt sizilianisches Leben in Schwarz-Weiß, Gewalt und Armut, Verzweiflung und Hoffnung. "Ich wollte, dass die Welt erfährt, wie sehr wir leiden", sagt sie. Sie war Fotojournalistin für die Tageszeitung "L’Ora di Palermo" in den Jahrzehnten, als die Mafia täglich vier bis fünf Menschen in den Straßen der sizilianischen Metropole ermordete: Richter/-innen, Staatsanwälte/-innen, Polizisten/-innen, Journalisten/-innen. Sie war 40, als sie anfing, Fotos zu machen, aus der finanziellen Not heraus, nach der Trennung von ihrem Ehemann. Sie hat drei Töchter.
"Ich bin eine Person, die Widerstand leistet", sagt sie. Sie schloss sich der Anti-Mafia-Bewegung unter dem früheren Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, an. Sie war Mitbegründerin der Frauenorganisation Halber Himmel, die auch einen Newsletter veröffentlicht, und initiierte Theaterprojekte mit Psychiatriepatienten und -patientinnen. 1991 trat sie in die Politik ein und leitete die Umweltabteilung von Palermo. Letizia Battaglia rebellierte mit der Kamera gegen Ungerechtigkeit und Gewalt. Die Mafia, sagt sie, ist unsichtbar geworden, aber stärker als je zuvor. Sie muss niemanden mehr erschießen, weil sie allmächtig ist: "Was kann ich, eine 70-Jährige, dagegen tun?"

 

Italien ist von einem großen Nord-Süd-Gefälle gekennzeichnet, mit hoher Arbeitslosigkeit im Süden. In Sizilien profitiert die Mafia von der Armut. Für 20 Euro können Halbwüchsige als Drogenhändler/-innen gedungen werden. Die italienische Regierung hat es nie geschafft, die Cosa Nostra zu zerstören. Heute ist diese stärker denn je.

 

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