Hilda Saeed

«Hilda Saeed, eine Christin, die in einer muslimischen Gesellschaft mit einem Muslim verheiratet ist, hat immer gegen Diskriminierung gekämpft: in ihrem eigenen Leben und in dem anderer, besonders von Frauen.»

Shirkat Gah Women's Resource Center (Shirkat Gah Förderzentrum für Frauen)

 

Hilda Saeed (geboren 1936) kämpfte in ihrem eigenen Leben mit Diskriminierung: Als Christin, die mit einem Muslim im mehrheitlich muslimischen Pakistan verheiratet war, sah sie sich überall mit Feindseligkeit konfrontiert. Diese Erfahrung engstirniger Diskriminierung am eigenen Leib trug zu ihrer Entscheidung bei, später im Leben eine unermüdliche Verfechterin der Rechte sowohl von Frauen als auch von Minderheiten und von interreligiösem Austausch und Harmonie zu werden.

 

Hilda Saeed wurde früh in die stürmischen politischen Verhältnisse des indischen Subkontinents eingeführt, als sie im Kindesalter Zeugin der Konfessionsaufstände war, die in Karatschi ausbrachen, als Indien geteilt wurde und Pakistan entstand. Die ersten 18 Jahre ihrer Karriere arbeitete sie als Universitätsdozentin und medizinische Forscherin sowie als gerichtsmedizinische Serologin. Danach gab sie als Journalistin für einige Jahre eine Zeitschrift für Gesundheit heraus. In dieser Zeit wurde sie zur Verfechterin von Frauenrechten; sie trat 1978 dem Shirkat Gah Women's Resource Center bei, wurde Mitglied des Shirkatverbandes und ist es bis heute.
Hilda wurde Aktivistin, als das politische Klima für Aktivisten/-innen feindlich war. Menschenrechte waren unter der Militärdiktatur von Zia ul-Haq stark eingeschränkt. Frauenrechtlerinnen setzten sich großer persönlicher Gefahr aus, hielten Demonstrationen ab, obwohl Versammlungen von mehr als vier Leuten verboten waren. Hilda wurde Gründungsmitglied des Frauenrechtsforums. Sie half, mehrere Fälle von ungerechter Beschuldigung gegen Frauen und Mitglieder von Minderheiten vor Gericht zu bringen. Ihr Familienleben litt darunter, heute jedoch ist ihre einzige Tochter auch Frauenrechtlerin.
Hildas herausragender Beitrag war es, als Medienfachfrau und durch Gespräche mit Gemeinde- und Regierungsmitgliedern Bewusstsein für die Gesundheitsrechte von Frauen in Fortpflanzung und Sexualität zu erhöhen. Ihre Bemühungen brachten das Pakistanische Netzwerk für Fortpflanzungsgesundheit hervor, von dem sie Gründungsmitglied ist. Diese Organisation hat Probleme bezüglich sexueller Rechte angesprochen, die vielen Pakistanis unakzeptabel sind. Hilda hat auch unverblümt die Diskriminierung von Minderheiten kritisiert und stellte sich so z.B. gegen das getrennte Wahlmodell, das Minderheiten dieselben Wahlrechte wie der muslimischen Bevölkerung vorenthält.

 

Frauen und Minderheiten ringen um Luft unter dem pakistanischen Gesetz, das weder Frauen die gleichen Rechte wie Männern noch Minderheiten die gleichen Rechte wie muslimischen Bürgern/-innen gewährleistet. Obwohl die Verfassung von 1973 Gleichheit versprach, wurde sie so oft geändert, dass ihre ursprüngliche Absicht verlorengegangen ist.

 

Südasien | Pakistan
Kapitel: Gewalt gegen Frauen