Amelia Rokotuivuna      

«Mein dunkelster Moment war der Militärputsch im Mai 1987. Ich war zornig über den Vertragsbruch. Mir ging zum ersten Mal auf, dass Menschenrechte zu verstehen eine große Herausforderung für die Fidschianer/-innen war.»

Young Women’s Christian Association (YWCA) (Christlicher Verband Junger Frauen)
Fiji Labor Party (Arbeitspartei Fidschis)
World Council of Churches (WCC) (Weltkirchenrat)

 

Amelia Rokotuivuna war ihr Leben lang feministische Aktivistin für Frieden und Gerechtigkeit. Als Vorsitzende der YWCA in den 1970er Jahren war sie Hauptsprecherin für NGOs zu politischen, sozialen und Fragen wirtschaftlicher Gerechtigkeit wie auch führend in der Anti-Atombewegung. Sie organisierte eine Demonstration gegen den Besuch des chilenischen General Pinochet Anfang der 1980er, führte einen Jugendprotestmarsch nach dem ersten Militärcoup 1987 und arbeitete in den 1990ern mit dem Bürgerverfassungsforum, um Zustimmung für eine demokratische Verfassung zu sichern. Sie starb 2005 mit 63 Jahren.

 

"Einer unserer größten Erfolge im Kampf gegen die Atomtests Frankreichs im Pazifik war es, Air France (UTA) aus Fidschi vertrieben zu haben. Eine sehr gute Verknüpfung von Bemühungen führte hier zum Erfolg: von Gewerkschaften, Studierenden der Universität und von der Anti-Atombewegung im Pazifik. Proteste von Mitgliedern der Bewegung für einen Atomfreien und Unabhängigen Pazifik fanden fast täglich statt. Mehrere Jahre lang verteilte immer jemand samstags Flugblätter auf den Straßen. Und der Studentenverband der Universität des Südpazifiks marschierte oder protestierte fast dauernd, entweder auf den Straßen oder vor dem UTA-Büro. Die Gewerkschaften wollten den Abzug der Air France aus Fidschi.
Der Premierminister zitierte mich und eine/-n Kollegen/-in in sein Büro. Wir hatten um einen Besuch gebeten, da der Führer der Gewerkschaft der Angestellten von Fluggesellschaften angekündigt hatte, Air France boykottieren zu wollen. Ich hatte dem Gewerkschaftsführer zugestimmt und ihm mitgeteilt, dass wir den Premierminister treffen würden, um zu sehen, wie er darauf reagieren würde. Dieser sagte uns, er würde nichts sagen – und das tat er natürlich auch. Er sagte überhaupt nichts, er mischte sich nicht ein. Ich verstand, dass er ein Ende der Atombombentests in unserem Pazifik wollte und dass er ganz glücklich über unsere Aktion war. Er würde diplomatisch sein, aber offenbar hatte er das Gefühl, die Franzosen sollten ihren Kolonialismus aufgeben. Kurz danach rief der Premierminister das Südpazifik-Forum ins Leben, die Zwischenregierungsorganisation unabhängiger Staaten im Pazifik, um Fragen wie die Atomtests Frankreichs und die Entkolonialisierung ansprechen zu können."

 

Amelias Aktivismus für soziale Gerechtigkeit stand regional und national im Zusammenhang mit dem Kolonialismus im Pazifik, dem Missbrauch von Inselkolonien durch Atomraketentests und dem Kampf in Fidschi gegen politischen Extremismus und Rassismus.

 

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Kapitel: Justiz